11-03-2026 (20:00 - 21:30)
Moderation: Axel Haase
Als Itai Böing geboren wurde, herrschte noch die
Regierung der Völkermörder, getragen von fast allen Deutschen. Die ersten
Schritte ins Leben tat er im Biotop des post-nationalsozialistischen
Deutschlands. Abrupt endete der arglose Start. Die unverhoffte Erkenntnis, unter
Menschen aufzuwachsen, die allesamt auf vielfältige Weise an jenen nur zu
ahnenden Verbrechen beteiligt waren, ließ die Kinderwelt zusammenbrechen.
Was macht es mit einem, der in diesem Land zu dieser Zeit geboren wird? Der in
dieser Familie aufwächst? Der seine Bildung von diesen Lehrern erfährt? Welche
Optionen gab es? Ein gutes Leben im Falschen war unmöglich.
Der Autor ist verschiedene Wege gegangen: Jahre der Arbeit an Orten der
Verbrechen erschienen ihm nötig, um ihnen den Mythos zu nehmen und sie wahr
werden zu lassen. Konnte die Suche nach Menschlichkeit in anderen Ländern das
Defizit im eigenen Land füllen?
Itai Böing, geboren 1945, Gesamtschullehrer i. R., unterrichtete Deutsch und Gesellschaftskunde an der Moses-Mendelssohn-Oberschule (heute Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule) in Berlin-Tiergarten (1984-2004). Zahlreiche Aufenthalte im Ausland, u. a. als Entwicklungshelfer in Benin (1988-1992) sowie als Deutschlehrer in Georgien (1995-1997).