Ursula Krechel liest aus ihrem Roman "Geisterbahn"

10-01-2019 (20:30)

Eindringlich und teilnahmsvoll: Ursula Krechel folgt den Lebensspuren der Opfer und schafft aus historischen Zeugnissen ein bewegendes Bild deutscher Geschichte, die über alle Markierungen hinweg bis heute nachwirkt.

Fast ein Jahrhundert umspannt der Bogen dieses Romans, mit dem Ursula Krechel fortsetzt, was sie, vielfach ausgezeichnet und gefeiert, mit »Shanghai fern von wo« und »Landgericht« begonnen hat. »Geisterbahn« erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Als Sinti sind sie infolge der mörderischen Politik des NS-Regimes organisierter Willkür ausgesetzt: Sterilisation, Verschleppung, Zwangsarbeit. Am Ende des Krieges, das weitgehend bruchlos in den Anfang der Bundesrepublik übergeht, haben sie den Großteil ihrer Familie, ihre Existenzgrundlage, jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Anna, das jüngste der Kinder, sitzt mit den Kindern anderer Eltern in einer Klasse. Wer wie überlebt hat, aus Zufall oder durch Geschick, danach fragt keiner. Sie teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit.

Ursula Krechel studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Sie debütierte 1974 mit dem Theaterstück "Erika", das in sechs Sprachen übersetzt wurde. Den ersten Lyrikveröffentlichungen 1977 folgten Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. 2009 mit dem Josef-Breitbach-Preis. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und Vizepräsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. 2013 ist ihr Gedichtband "Die da" erschienen und 2015 die Essay-Sammlung "Stark und leise. Pionierinnen".

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